ZUKUNFTSVISIONEN
Der Region verpflichtet
Folge 4 der neuen SZ-Wirtschaftsserie
führt in das Unternehmen BIKAR-METALLE
Pascal Bikar spricht in der Siegener Zeitung
über Neuerungen und künftige Vorhaben.
Raumland. (vg) Mächtige Kräne hiefen tonnenschwere Metallblöcke durch die Luft. Meterlange Platten und Bleche werden in Windeseile von Präzisionssägen zugeschnitten. Überall überwachen Mitarbeiter die zielgenauen Vorgänge der voll automatischen Maschinen über Monitore. Folge 4 der neuen SZ-Wirtschaftsserie "Zukunftsvisionen" führt heute einmal hinter die Tore des Wittgensteiner Unternehmens BIKAR-METALLE in Raumland.
Erst kürzlich übertrugen die beiden bisherigen Geschäftsführer Aleksandar und Konstantin Bikar die gesamte Verantwortung an den Nachwuchs: Mit Pascal und Claudia Bikar sind seit 2010 die beiden Kinder von Aleksandar Bikar damit nun auch die beiden geschäftsführenden Gesellschafter des Unternehmens. "Meine Schwester ist jetzt seit vier Jahren fest im Betrieb eingesetzt und ich seit zwei Jahren", sagt Pascal Bikar. "Mit diesem Unternehmen sind wir aufgewachsen und wissen, dass es unsere Zukunft ist. Wir haben auch beide seit unserer Schulzeit immer in der Firma mitgearbeitet und kennen jeden Prozess des Unternehmens."
Angefangen habe alles als Garagenbetrieb, von dem aus die Großeltern ab 1962 NE-Metalle an Werkzeugmacher aus der Umgebung verkauften. "Ende der 60er Jahre entstand die erste Lagerhalle in familiärer Eigenleistung. Das heißt, dass meine Großeltern, mein Vater und mein Onkel hier jeden Stein der Halle selbst gesetzt haben", schildert der 28 Jahre alte Unternehmer. Neben den Standardabmessungen nahm das Unternehmen bald auch Walz-Platten mit auf. "Ab dem Jahr 2000 fing dann das starke Wachstum unseres Unternehmens an, als nämlich damit begonnen wurde, unsere Produktion zu automatisieren." Es entstanden schließlich Werk II und III.
Ziel von Aleksandar und Konstantin Bikar sei es dabei stets gewesen, dem Markt immer einen Schritt voraus zu sein. Nicht zuletzt die Installation des computergesteuerten und vollautomatischen Hochregallagers im Standort Berleburg habe hier bedeutende Akzente gesetzt. Durch den Kauf des damals insolventen Nachbarbetriebes, habe das Unternehmen in den Bereich "Gussplatten für den Werkzeug-, Formen- und Modellbau" investiert, der heute zu den führenden seiner Art zählt. "Das Unternehmen ist auch seit Längerem international tätig", so Pascal Bikar. "Unser Kundenkreis ist sehr umfangreich. So zählen Automobilindustrie, Verpackungsindustrie, Luft- und Raumfahrt, Maschinen- und Anlagenbauer, der Werkzeug-, Formen- und Modellbau sowie viele andere Branchen zu unseren Abnehmern."
Zum heutigen Stammsitz des Unternehmens in Bad Berleburg gehören die Bikar-Aluminium GmbH in Korbußen (Thüringen) und die Bikar-Metalli S.R.L. im italienischen Civitanova (Marche). "Weiterhin haben wir Verkaufsbüros in Österreich, Tschechien/Slowakei, Großbritannien, Schweden und Polen."
Dass man auf Innovationen setze, könne man zum einen in der Großinvestition im Werk Korbußen (Thüringen) sehen. "Hier wurde nebst einem Metallhandelshaus eine zur Zeit ziemlich einzigartige Produktionsstraße für plangefräste Aluminium-Präzisionsplatten errichtet, die im Januar 2011 offiziell ihrer Bestimmung übergeben wurde", so der Unternehmer. "Mit einem gigantischen Messerkopf von 2.700 Millimetern Durchmesser werden hier Platten für den Werkzeugbau gefertigt, deren Toleranzen im µm-Bereich liegen. Etwa 5.000 Tonnen werden hier pro Jahr produziert und weltweit verkauft. Des Weiteren arbeitet unser Unternehmen mit Forschungsinstituten und Universitäten zusammen, um Materialien für besondere Kundenanforderungen zu entwickeln. So wurde zum Beispiel unsere Produktreihe 'Formodal' für den Werkzeug-, Formen- und Modellbau auf dem Markt etabliert."
Der Weg zum Erfolg des Unternehmens wurde Aleksandar und Konstantin Bikar durch deren Eltern vermittelt. "Sich stetig weiterentwickeln und nicht auf dem alten Stand ausruhen" lautete die Devise. "Das bedeutet natürlich, dass sämtliche Investitionen in erster Linie in die Firma fließen müssen. Und das beherzigt die neue, junge Generation in gleichem Maß", sagt auch Aleksandar Bikar. Mit dieser Firmenphilosophie und dem Anspruch, immer auf dem technisch neuesten Stand zu sein, werde es dieses Jahr erstmals gelingen, das Absatzvolumen von über 20.000 Tonnen zu erreichen. Ein weiteres Erfolgsgeheimnis liege im hervorragenden Betriebsklima. "Wir haben derzeit 200 Mitarbeiter, und wir bilden ständig im kaufmännischen und im gewerblichen Bereich aus." Dabei lege man vor allem Wert auf eine gute Kombination von jungen und alten Mitarbeitern, die durch gegenseitigen Gedankenaustausch voneinander profitieren. Weiterhin seien die Hierarchien bei Bikar bewusst flach angelegt, so dass man einander stets auf Augenhöhe begegne.
Darüber hinaus lege Bikar großen Wert darauf, dass seine Auszubildenden gleich vom ersten Tag an wie vollwertige Mitarbeiter behandelt werden. "Das Arbeiten in der Praxis ist hierbei genauso wichtig, wie die schulischen Leistungen. Und wenn der Auszubildende dann noch als bester seines Jahrgangs hervorgeht, bekommt er eine Aida-Kreuzfahrt spendiert. Nicht umsonst haben wir drei Mal die besten Azubis aus dem gesamten IHK-Bezirk Siegen stellen können.
Der Kreis Siegen-Wittgenstein ist unsere Heimat, und wir sind der Region sehr verbunden. Die meisten Mitarbeiter kommen von hier, sind standorttreu und aus unserem Familienbetrieb nicht weg zu denken", sagt Pascal Bikar. Als Handelsunternehmen sei man zwar vom Standort Berleburg aus verkehrstechnisch nicht gerade ideal angebunden, "aber wir können dies hervorragend mit unserem Standort in Korbußen ausgleichen."
Der Facharbeitermangel wiederum sei in der deutschen Wirtschaft hinlänglich bekannt. "Auch uns trifft es in verschiedenen Bereichen und wir gehen davon aus, dass es in den nächsten Jahren nicht viel besser wird", so Pascal Bikar. "Wir als Unternehmer sind daher auch in der Pflicht, die eigenen Auszubildenden und Mitarbeiter auch längerfristig an das Unternehmen zu binden. Wir bieten zum Beispiel ein duales Studium in unserem Unternehmen an und übernehmen die Kosten dafür."
Welche Ziele man sich für die Zukunft gesetzt habe? "Zur Zeit sind meine Schwester Claudia und ich als Geschäftsführer im Unternehmen. Mein Bruder Alexander sowie die beiden Kinder meines Onkels, André und Stefan werden nach Abschluss ihres Studiums ebenfalls im Unternehmen tätig sein. Hierfür wurden bereits frühzeitig die jeweiligen Studienschwerpunkte auf die Unternehmensstruktur abgestimmt", sagt Pascal Bikar. "Wir sehen es als eine Herausforderung an, weiter in zukunftsorientierte Märkte zu investieren und innovativ zu denken. Sicher werden dafür auch weitere Investitionen am Standort Bad Berleburg anfallen.
Weitere eindrucksvolle Fotos zum Unternehmen Bikar sind übrigens ab kommender Woche im Rahmen einer kleinen Präsentation in den Räumen der Volksbank Wittgenstein an der Bad Berleburger Poststraße zu sehen.
Von Dr. Volker Gastreich
Quellennachweis
Das Textmaterial wurde uns freundlicherweise von der Siegener Zeitung (SZ) zur Verfügung gestellt.
SZ-Fotos (10): Dr. Volker Gastreich (vg)
Siegener Zeitung (SZ)
SZ-Ausgabe vom 9. Juli 2011
Internet www.siegener-zeitung.de










